ROAS-Formel: Return on Ad Spend richtig berechnen und optimieren

Marvin Senenko
Zuletzt aktualisiert am
18.5.2026

ROAS (Return on Ad Spend) misst, wie viel Umsatz du pro investiertem Werbe-Euro zurückbekommst. Die Formel ist simpel: Umsatz aus Werbung geteilt durch Werbekosten. Ein ROAS von 4 bedeutet, dass du für 1€ Werbeausgaben 4€ Umsatz erzielst. Klingt eindeutig – wird in der Praxis aber regelmäßig falsch berechnet, falsch interpretiert oder im falschen Kontext eingesetzt.

Das wichtigste auf einen Blick

  • ROAS-Formel: Umsatz aus Werbung ÷ Werbekosten = ROAS (als Verhältnis oder in Prozent).
  • Guter ROAS ist branchenabhängig – Faustregel im E-Commerce: ab 4 ist gut, ab 6 sehr gut.
  • Target ROAS ist eine Smart-Bidding-Strategie, die mindestens 15 Conversions pro Monat braucht.
  • ROAS vs. ROI: ROAS rechnet nur mit Umsatz, ROI mit Gewinn nach Kosten.
  • Im B2B-Lead-Gen ist ROAS meist der falsche KPI – CPA und Lifetime-Value bringen mehr.

Was ist ROAS und wie wird er berechnet?

ROAS steht für Return on Ad Spend und misst die direkte Rentabilität deiner Werbeausgaben. Die Formel kennt jeder, der einmal mit Performance Marketing zu tun hatte:

ROAS = Umsatz aus Werbung ÷ Werbekosten

Ein Beispiel: Du hast in einer Google-Ads-Kampagne 1.000€ ausgegeben und dadurch 4.500€ Umsatz erzeugt. Dein ROAS:

4.500 € ÷ 1.000 € = 4,5

Du bekommst also für jeden investierten Werbe-Euro 4,50€ Umsatz zurück. In manchen Tools wird ROAS als Prozentwert dargestellt, bedeutet also 4,5 wird dann zu 450%. Beides ist dasselbe, nur unterschiedlich formatiert.

Wichtig: ROAS ist eine reine Umsatz-Kennzahl, kein Gewinn-Maßstab. Wenn deine Marge bei 30% liegt, bedeutet ein ROAS von 4 nicht, dass du das 4-Fache verdienst, sondern dass dein tatsächlicher Bruttogewinn pro Werbe-Euro 1,20 € beträgt. Diese Unterscheidung wird oft übersehen und führt zu Fehlentscheidungen bei der Budget-Planung.

ROAS vs. ROI: Wo ist der Unterschied?

Beide Kennzahlen messen Rentabilität, aber auf unterschiedlichen Ebenen.

ROAS = Umsatz ÷ Werbekosten. Brutto-Sicht, nur die direkten Werbeausgaben werden gegen den Umsatz gestellt. Schnell zu berechnen, in jedem Werbe-Tool sofort sichtbar.

ROI = (Gewinn − Investition) ÷ Investition. Berücksichtigt alle Kosten, nicht nur das Werbebudget, also auch Produktkosten, Versand, Personal, Tools. Die ehrlichere Kennzahl, aber aufwändiger in der Berechnung.

In der Praxis: ROAS ist der schnelle operative Steuerungs-KPI, ROI der strategische Wahrheitsprüfer. Wer im Tagesgeschäft Kampagnen optimiert, schaut auf ROAS. Wer die Frage beantworten will "lohnt sich dieser Marketing-Kanal überhaupt?", muss zum ROI.

Was ist ein guter ROAS?

Die häufigste Frage und die mit der unbefriedigendsten Antwort: es kommt darauf an. Branche, Marge, Kundenwert und Wettbewerbsdichte sind die entscheidenden Variablen.

Faustregeln für E-Commerce:

  • ROAS unter 2: Verlustzone für die meisten Geschäftsmodelle. Sofort handeln.
  • ROAS 2 bis 4: Im akzeptablen Bereich, je nach Marge. Bei hohen Margen (Schmuck, Software) ausreichend, bei niedrigen Margen (Elektronik, Lebensmittel) zu schwach.
  • ROAS 4 bis 6: Gut bis sehr gut für die meisten E-Commerce-Branchen.
  • ROAS über 6: Stark, oft Signal für Untersättigung, Budget kann meist erhöht werden.

Break-even ROAS berechnen. Statt mit Faustregeln zu arbeiten, lohnt sich der eigene Break-even-Wert. Die Formel:

Break-even ROAS = 1 ÷ Bruttomarge

Bei 25 % Marge liegt dein Break-even bei ROAS 4, darunter machst du Verlust, darüber Gewinn. Bei 50% Marge reicht ein ROAS von 2 zum Break-even. Wer mit dieser Zahl arbeitet, optimiert nicht nach Marktdurchschnitt, sondern nach eigener Geschäftsrealität.

Target ROAS in Google Ads: Wie das Bidding funktioniert

In Google Ads kannst du Target ROAS (tROAS) als automatische Gebotsstrategie einsetzen. Google passt dann die Gebote automatisch so an, dass deine Kampagne im Durchschnitt deinen Ziel-ROAS erreicht.

Beispiel: Du setzt einen Target ROAS von 500% (also Faktor 5). Google bietet auf Auktionen, in denen die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass der Klick zu einer Conversion mit ausreichend hohem Wert führt und reduziert die Gebote, wo das unwahrscheinlich ist.

Damit das funktioniert, brauchst du laut offizieller Google-Doku zu tROAS drei Dinge:

  1. Conversion-Werte müssen für jede Conversion-Aktion sauber hinterlegt sein.
  2. Mindestens 15 Conversions im 30-Tage-Fenster, realistisch eher 30+ für stabile Performance.
  3. Stabiles Tracking, das nicht durch Adblocker oder fehlerhafte Tags lückenhaft wird.

Wenn diese Voraussetzungen nicht stimmen, bietet Smart Bidding auf zufällige Signale und der ROAS schwankt unkontrolliert

Warum ROAS im B2B-Lead-Gen meist nicht passt

Hier kommt der Punkt, an dem viele B2B-Werbetreibende vom falschen KPI ausgehen. ROAS ist eine Kennzahl, die für transaktionale Modelle designed wurde, also E-Commerce, App-Käufe, direkte Conversions mit klarem Umsatz pro Verkauf.

Im klassischen B2B-Lead-Gen funktioniert das so nicht. Aus über 40 betreuten B2B-Projekten weiß ich: Die Kette zwischen Anzeige und Umsatz sieht typischerweise so aus:

  1. Klick auf die Anzeige
  2. Lead-Formular ausgefüllt (vielleicht 1 bis 2% aller Klicks)
  3. Discovery Call durchgeführt (vielleicht 30% der Leads)
  4. Angebot rausgeschickt (vielleicht 50% der Calls)
  5. Auftrag erteilt (vielleicht 30 bis 50% der Angebote)
  6. Umsatz fließt, oft erst 4 bis 12 Wochen nach dem Klick

ROAS würde versuchen, in Schritt 1 schon den Umsatz aus Schritt 6 zu attribuieren. Das ist im B2B aus zwei Gründen problematisch:

Problem 1: Datenverzögerung. Der Werbe-Algorithmus optimiert in Echtzeit, der Umsatz fließt Monate später. Bis die Daten zurück im Konto sind, hat Google längst auf Basis falscher Signale gebogen.

Problem 2: Kein eindeutiger Conversion-Wert. Eine Lead-Anfrage hat keinen festen Umsatzwert, sie kann zu 5.000 € oder zu 50.000 € werden, oder zu null. Pauschale Lead-Werte zuzuweisen funktioniert nur grob.

Was im B2B besser funktioniert

  • Target CPA (Cost per Acquisition) statt Target ROAS, du steuerst also was ein Lead maximal kosten darf, nicht was er an Umsatz bringen soll
  • Conversions maximieren in der Lernphase, bevor genug Daten für CPA-Targeting da sind
  • Offline Conversion Import aus dem CRM, damit Smart Bidding nicht nur auf "Lead", sondern auf "Lead, der zum Kunden wurde" optimiert

Für reine E-Commerce-Setups bleibt ROAS der richtige KPI. Für B2B-Lead-Gen ist er fast immer der falsche oder höchstens eine Hilfsgröße neben CPA.

Häufige Fehler bei der ROAS-Optimierung

Fehler 1: ROAS mit ROI verwechseln

Wer einen ROAS von 4 mit "ich verdiene das 4-Fache" gleichsetzt, übersieht alle anderen Kosten. Die echte Frage ist immer: Bin ich nach allen Kosten im Plus?

Fehler 2: Target ROAS ohne ausreichend Conversion-Daten aktivieren

Unter 15 Conversions pro Monat liefert die Strategie zufällige Ergebnisse, keine echte Optimierung.

Fehler 3: Conversion-Werte nicht hinterlegen

Ohne Werte ist ROAS-Optimierung unmöglich. Smart Bidding braucht den Wert pro Conversion als Eingangssignal.

Fehler 4: Zu hohen Target ROAS setzen

Wer einen unrealistisch hohen Ziel-ROAS einstellt, drosselt die Auslieferung. Google bietet nur noch auf die wenigen Auktionen mit hoher Conversion-Wahrscheinlichkeit – das Volumen bricht ein.

Fehler 5: ROAS im B2B-Lead-Gen erzwingen

Wer im B2B-Setup ohne klare Umsatzdaten ROAS-Targeting nutzt, optimiert auf Phantom-Signale. CPA-basierte Strategien sind in fast allen Fällen die bessere Wahl.

Häufige Fragen zum ROAS

Was ist ein guter ROAS?

Branchenabhängig. Im E-Commerce gilt ein ROAS ab 4 als gut, ab 6 als sehr gut, aber das Wichtigste ist der eigene Break-even-Wert, berechnet aus 1 ÷ Bruttomarge. Wer mit 50% Marge arbeitet, kommt mit ROAS 2 in die Gewinnzone, wer 20% Marge hat, braucht mindestens ROAS 5.

Wann sollte ich Target ROAS in Google Ads einsetzen?

Wenn du im E-Commerce arbeitest, Conversion-Werte sauber trackst und mindestens 15–30 Conversions im 30-Tage-Fenster hast. Davor ist "Conversions maximieren" oder "Klicks maximieren" mit Klick-Obergrenze die robustere Wahl.

Wie unterscheidet sich ROAS von ROI?

ROAS rechnet nur mit Umsatz und Werbekosten. ROI berücksichtigt alle Kosten (Produkt, Versand, Personal, Tools) und arbeitet mit Gewinn. ROAS ist der schnelle operative KPI, ROI der ehrliche Wahrheitsprüfer.

Funktioniert ROAS im B2B?

In reinen B2B-E-Commerce-Setups ja. Im klassischen B2B-Lead-Gen mit langen Sales-Cycles und variablen Auftragswerten ist ROAS fast immer der falsche KPI, Target CPA mit Offline Conversion Import aus dem CRM ist deutlich aussagekräftiger.

Was ist der Break-even ROAS?

Der ROAS, bei dem du weder Gewinn noch Verlust machst. Formel: 1 ÷ Bruttomarge. Bei 25 % Marge liegt der Break-even bei ROAS 4, darunter Verlust, darüber Gewinn.

Hi, ich bin Marvin 👋

Als Google Ads B2B Spezialist bin ich mit Growcave dein Partner für planbar qualifizierte Leads für Dienstleister, Microsoft Partner und SaaS-Anbieter. Aus über 40 betreuten Projekten weiß ich, was im B2B-Umfeld funktioniert und was nur Budget verbrennt. Mit sauberem Tracking als Fundament legen wir die Basis für funktionierende Google Ads.

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